Segeln auf Katamaran Neverland
|
Segeltörn mit Katamaran Neverland auf den Kapverdische
Inseln im November 2004
Katamaran Neverland hat im Oktober/November 2004 für einige Wochen
Station auf den Kapverdischen Inseln gemacht und mit Gästen viele
der Inseln besucht. In dem folgenden Reisebericht sind die Eindrücke
eines 2 wöchigen Segeltörns durch die Inselwelt der Kapverden
mit Catamaran Neverland wiedergegeben.
Die Kapverden liegen rund 300 Seemeilen vor der Küste Afrikas auf
der Höhe von Senegal. Das Archipel besteht aus 18 Inseln von denen
10 dauerhaft bewohnt sind. Insgesamt 350 000 Kapverdianer leben auf den
Inseln, rund 500 000 leben außerhalb in den USA oder Europa, sind
dem Land aber immer noch sehr verbunden. In den 60er Jahren hat das Land
schlimme Dürrekatastrophen erlebt mit Hungersnöten und viele
Einwohner haben sich entschieden auszuwandern.
Die Kapverden waren eine Kolonie von Portugal, sind aber seit 1975 ein
selbständiger Staat mit der Hauptstadt Praia. Kultureller und wirtschaftlicher
Mittelpunkt ist aber Mindelo.
Die Kapverden sind ein weniger bekanntes und noch kaum erschlossenes
Segelrevier. Das hat seine Reize, bringt aber auch gewisse logistische
Nachteile mit sich.

Die Kapverden sind eine vulkanische Inselgruppe
und liegen 300 Seemeilen westlich
vor der afrikanischen Küste auf
der Höhe Senegals.
Samstag, 06. 11. 2004
Mit einiger Verspätung landen wir um 02.00 morgens auf Sal. Ein
bereits auf den ersten Blick afrikanischer Flughafen, der kurzfristig
durch die hereinströmenden und visanachlösenden (45 €)
Touristen überschwemmt wird.
20 Minuten Taxifahrt und erste Begegnung mit der gänzlich anderen
Welt unter der Sonne des Südens: Wir gehen im Dunkeln zum Dingi,
das am Ende eines wackeligen Stegs wartet, der – übrigens
dieserhalb im einschlägigen Reiseführer fotografisch abgelichtet – teilweise
den Charakter einer Hängebrücke hat und über die Jahrzehnte
mit Planken geflickt wurde, wenn denn solche zu Verfügung standen.
Teilweise sind einfach keine da.
Wir steuern Neverland an, das weiße Toplicht überragt alle
vor der Küste von Santa Maria am lang gezogenen Strand ankernden
Segler. An Bord werden wir von Kurti und Franziska der Crew von Neverland
freundlich begrüßt – trotz der inzwischen recht fortgeschrittenen
Uhrzeit von 3.00 Uhr morgens. Zur Begrüßung ein erstes Glas
Wein auf dem außergewöhnlich geräumigen und eleganten
Katamaran.
Nach kurzer Nacht sind die ersten tiefen Eindrücke das märchenhafte
Türkisblau des Meeres und der goldgelbe Sandstrand, der etwa 150m
vom Boot in leichtem Wellenschlag liegt – eine angenehmen Entfernung
zum Schwimmen. Es dürfte etwa 27 Grad warm sein. Immer wieder vorbeiziehende
leichte Bewölkung und der stetige laue Passatwind machen die Temperatur
außerordentlich angenehm. Das Wasser hat 26 Grad und ist derart
klar, dass man kleine Fischschwärme wie silberne Nadeln vom Boot
aus betrachten kann.
Heute ist ein ruhiger Tag an Bord zwecks Kennenlernen und Akklimatisation
sowie Lektüre des wohl einzigen Reiseführers: Die Inselgruppe
besteht aus vegetativ unterschiedlichen Inseln, einige sind unbewohnt,
der Führer zeigt die Farben Afrikas.
Natürlich heißt es im Laufe des Tages, mit dem ca. 26 Grad
warmen, weichen und außerordentlich angenehmen Wasser schwachbetuchte
Fühlung aufzunehmen. Schwimmen könnte nicht schöner sein.
Am Abend essen wir im Ort in einem kleinen Restaurant mit maximal 20
Plätzen, erstaunlich portugiesisch eingerichtet und werden großartig
bekocht von einem französischen Koch und seiner portugiesischen
Ehefrau. Nach dem Essen schlendern wir über den Platz mit einer
Bar, die Lifemusik bietet. 6 Musiker mit der klassischen Instrumentierung
bieten den traditionellen kapverdischen Musikkanon: Morna, Coladeira,
Batuko und Funaná.
Sonntag, 07.11.2004
Beim Aufstehen ein erster Rundblick und schon stellt sich erneut die
Verblüffung über die Farben wieder ein, türkis und gelb.
Wir laufen – nach einem erfrischenden Schwimmen zum Strand, Strandspaziergang
und der entsprechenden Schwimmstrecke zurück – gegen Nachmittag
aus, denn seit gestern kommen unentwegt offizielle oder freiwillige Helfer
zum Boot und warnen vor dem drohenden Südwind, der starken Schwell
und klebrigen roten Sand und Heuschrecken mit sich führen soll.
Der Ankerplatz in der Nähe des Strandes muss aufgegeben werden.
Wir wollten aber sowieso auslaufen zur Inseln St. Vincente.
Wir lichten gegen 16.00 den Anker und teilen die Wachen ein, denn wir
werden die Nacht durchfahren – leider mangels Wind unter Motor – und
erst am kommenden Tag gegen Mittag auf der Insel Sao Vincente mit der
Stadt Mindelo eintreffen. Das Wetter ist zurzeit recht untypisch – wir
haben eine Passatstörung. Es sieht sogar nach Regen aus, was in
dieser Region äußerst selten vorkommt.
Die Sicht ist klar, das Wasser blau bis eisengrau und wir halten nach
allen Seiten Ausschau: kein Boot ins Sicht, nirgends Land, dann und wann
aber für kurze Strecken aufregende Reisebegleiter: Ein großer
Hai lässt sich mit seiner markanten Schwanzflosse blicken; ein kleiner
Wal, der mit rundem Rücken auf- und abtaucht, wirkt freundlicher
und erheiternd fast sind die fliegenden Fische, die –durch das
Boot aufgescheucht – abheben und wie etwas zu fette Vögel
100 Meter fliegen, um dann wieder ins Wasser zu klatschen. In der Nacht
klatschen sie übrigens häufiger gegen die Bordwand.
Ich hatte all das bislang für Seemannsgarn gehalten und nun halte
ich ein an Bord geratenes Beweisstück in der Hand.

Ein fliegender Fisch ist an Bord von Katamaran
Neverland gelandet.
Montag, 08. 11. 2004
Gegen Mittag laufen wir unter wolkenbruchartigen Regenfällen in
der Bucht von Mindelo ein. Hier ankert bereits eine Vielzahl von Yachten,
die sich – ausgewiesen durch eine blaue Flagge – offenbar
gemeinsam auf Weltumsegelung befinden. Mindelo ist der einzige richtige
Hafen auf den Kapverden und auch der beste Versorgungsort.
Am Abend ein Landausflug: Mindelo, die noch vor kurzem den Ruf einer
verruchten, gefährlichen Hafenstadt hatte, hat ihr Gesicht stark
gewandelt. Offenbar in Erwartung größeren touristischen Interesses
sind die Kinderbanden aus dem Straßenbild verschwunden. Abgesehen
von fliegenden Händlern, die hier und da sichtbar werden, werden
wir nicht angesprochen. Wir fühlen uns sicher hier. Auffällig
ist der Altersschnitt der Bevölkerung, jedenfalls soweit sie sich
im öffentlichen Leben auf den Straßen präsentiert. Es
dominieren junge, schlanke, große und gut aussehende Menschen,
denen man die teils afrikanische, teils europäische Herkunft ansieht.
Dienstag, 09.11.2004
Durch die für die Region völlig atypischen Regenfälle
sieht man bereits erste Grünschleier auf den schroffen vulkanischen
Felswänden der Insel. Heute wird groß eingekauft und gebunkert,
denn es geht in unbewohntere Regionen, so dass es Vorrat fassen heißt.
Faszinierend ist auch heute wieder das Licht, das den Hang mit den bunten
Häusern im Sonnenuntergang in minütlich wechselndes, teilweise
impressionistisch wirkendes Licht taucht und der jähe Einbruck der
Dunkelheit.

Ankernde
Yachten in der Bucht von Mindelo kurz vor Einbruch der Dämmerung

In der Ankerbucht von Mindelo bei Einbruch der
Dämmerung
Am Abend geht es wieder mit dem Dingi an Land. An einem provisorischen
Steg wird angelegt und die Leine den jungen Bootswärtern übergeben,
die davon leben, dass sie auf die Beiboote aufpassen.
Der Club Nautico – Treffpunkt der Segler am Hafen – bietet
am Abend Lifemusik in klassischer Instrumentierung: Vier Gitarren, davon
zwei der kleinen typischen Gitarren, eine E-Gitarre und eine normale
Gitarre.
Mittwoch, 10.11.2004
Heute geben wir gegen Mittag den Ankerplatz zwischen den großen
Segelbooten und Frachter, die ihre besten Jahre hinter sich haben, auf
und starten in Richtung Sao Antao, eine Insel die ca. 20 Seemeilen entfernt
ist mit einem kleinen Ort an der Südostküste unser heutiges
Etappenziel. Entgegen allen Vorhersagen ist der Wind nicht aufgefrischt – nicht
einmal im Kanal von Mindelo, wo normalerweise immer ein stärkeren
Wind wehen soll – so dass wir auch heute unter Motor laufen, immerhin
9 Knoten, lange Zeit an der bizarr vulkanischen Kulisse von Sao Vincente
und Sao Antao entlang.

Katamaran Neverland segelt an der bizarr vulkanischen
Kulisse von Sao Vincente entlang
Das Ankern vor der Küste von Tarafal erweist sich als nicht ganz
so einfach, denn die Küste wirkt mit dem offenbar steilen Abfall
unmittelbar vor der Brandungslinie gefährlich: ein Glück, dass
Neverland mit extrem schweren und langen Ankerketten ausgestattet ist.
Wir ankern auf 40 m Wassertiefe in sicherem Abstand von der Brandungslinie.
Aufgrund des Schwells und der fortgeschrittenen Zeit kurz vor Einbruch
der Dämmerung können wir heute nicht mehr an Land und die Nacht
bricht auch heute sehr schnell, geradezu überfallartig, während
des Ankermanövers herein. Bereits um 19.00 Uhr ist es stockdunkel.
Ein ruhiger Abend also an Bord – aber kein Problem an Bord dieses
bemerkenswert schönen Bootes mit seiner ebenso gemütlichen
wie klaren Einrichtung und genügend Platz sich auch zurückziehen
zu können. Trotz der hervorragenden Küche von Kurti mag ich
immer noch nicht essen, denn die Spezialität des Landes, eine Cachupa – eine
Gemüse-/Fleischeintopf mit Soße – ist mir beim gestrigen
Landgang nicht bekommen.
An dieser Stelle sei ein allseits bekannter Rat eingeflochten: kein
Wasser trinken, keinerlei Eiswürfel tolerieren, niemals Eis essen,
Getränke in geschlossenen Flachen bestellen und mit den Früchten,
die verführerisch bunt locken, heißt es ebenfalls Vorsicht.
Es gilt: Cook it, peal it or forget it.
Donnerstag, 11.11.2004
Wir wollen am Morgen in Tarafal an Land gehen und vergewissern uns im
Führer, dass man bei stärkerem Schwell besser die Hilfe der örtlichen
Fischer mit ihren wuchtigen, bunt angestrichenen Holzbooten in Anspruch
nimmt. Wir winken und werden dann von einem solchen mit 4 Ruderern besetzten
Boot abgeholt, was sich als klug erweist, weil wir hier beobachten, dass
selbst der erfahrene Rudergänger eine geeignete Brandungswelle abwarten
muss, um gefahrlos ans Ufer zu kommen. Wir erreichen also kaum nass geworden
und beinahe trockenen Fußes den Strand von Tarafal.

Unsere Rudercrew um durch den Schwell den Ort
Tarafal zu erreichen
In unmittelbarer Nähe zum Strand unterhält ein Deutscher namens
Frank eine Pension, die unter Akazien liegt und mit ihrem geflochtenen
Bastdächern schön in die Umgebung eingefügt ist. Hier
rasten wir kurz und peilen die Lage für unser weiteres Vorhaben.
Der Ort, der gewissermaßen am Hang klebt, ist sauber, gepflegt
und verströmt in seiner Schlichtheit einen ganz besonderen Charme.

Landgang in Tarafal
In der Zwischenzeit haben sich uns Führer angeboten, junge Männer,
die sich etwas Geld durch die Begleitung der wenigen Reisenden verdienen.
Mit zweien von ihnen gehen wir gemeinsam in das Dorf und lassen uns alles
erklären, wo das Wasser herkommt, der Strom gemacht wird, die Schule
ist, das Brot gebacken wird und wie man ins Landesinnere kommt.
Das schönste Gebäude ist die Schule. Und schon sind wir auf
dem Schulhof von vielen Kindern umgeben. Der Lehrer fragt uns woher wir
kommen und wie lange wir bleiben und so erfahren wir, dass sein zweiter
Beruf der des Einklarierungsbeamten ist. Verblüffend ist, dass der
Schule gegenüber ein weiterer Unterrichtsraum öffentlich zugänglich
ist, in dem es Internetanschluss gibt. Während die Menschen barfuß im
Ort umherlaufen, Lasten auf dem Kopf tragen und – abgesehen von
der amerikanisch-europäischen Kleidung – in einer ganz eigenen
Welt leben, hat dieses Medium Internet auch hier Einzug gehalten.
Sehr junge Mütter haben eine Vielzahl von Kindern, die uns überall
begegnen und neugierig mit großen strahlenden Augen betrachten,
aber in keinster Weise aufdringlich sind. 5 junge Frauen kommen uns mit
großen Kübeln auf dem Kopf tragend entgegen. Unsere Führer
erzählen, dass sie jeden Tag um diese Zeit diesen Weg gehen um den
Schweinen, die außerhalb des Ortes in Umzäunungen aus Lavabrocken
gehalten werden, Futter zu bringen.

Dorfleben in Tarafal
Wir durchstreifen das Dorf und gelangen dabei immer höher auf den
Berg und können uns bald über das großartige Panorama
freuen. Das Boot liegt ruhig schwojend tief unter uns in der Bucht vor
Anker. Mehrfach halten wir an, um uns an diesen Anblick zu erfreuen.

Katamaran Neverland tief unter uns vor Anker
Ganz oben am Hang beobachten wir drei von einer Frau beaufsichtigte
Männer, die mit allerhand unzureichenden Werkzeugen eine große
Baumwurzel zerkleinern wollen und kommen ins Gespräch mit einem
der Männer. Er war zur See gefahren und kannte Deutschland ausgerechnet
aus der Perspektive des Ortes Brake. Durch unser Gespräch sind die
anderen Männer aber abgelenkt und es kommt leider zu einem Unfall,
da sich einer der Männer mit der Axt in den Fuß schlägt.
Notdürftig wird der Fuß mit einem Taschentuch verbunden und
der verletzte geht strammen Schrittes zur Sanitätsstelle unten in
Dorf.
Um 17 Uhr sind wir alle wieder in Franks Pension und nehmen, begleitet
von unseren beiden jungen Führern, ein köstliches Fischessen
ein. Und dann geht es wieder mit dem Boot der Fischer durch die Brandung
an Bord. Auf das Boot zu kommen ist – auch nach diesem herrlichen
Tag – nach Hause kommen. Welch ein Luxus: Nur die Schnecke hat
ihr Haus dabei und die ist sooo langsam.
Wieder wird es schlagartig dunkel. Die Nacht ist ruhig und sternenklar.
Es ist die Stimmung für das romantische Gedicht von Eichendorff
(der allerdings nicht auf See geschrieben hat):
„…
und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die dunklen
Lande, als flöge sie nach Haus.“
Die Heimat in der Weite, was für ein schöner Gedanke.
Freitag, 12.11.2004
Um 12 Uhr lichten wir Anker und segeln Richtung Brava, eine der kleinen
abseits gelegenen kapverdischen Inseln. Über 120 Seemeilen sind
zurück zu legen und die Fahrt wird so angelegt, dass wir beim helllichten
Tag am nächsten Tag unser Ziel anlaufen. So erlebe ich meine zweite
Nachtfahrt. Die Nacht ist stockdunkel, da der sichelförmig liegende
Mond nicht sichtbar und auch die Sterne durch die Wolken bedeckt sind.
Das Boot zieht seine schnelle Bahn. Kein Schiff weit und breit, was einesteils
berauschend und anderenteils beängstigend für mich ist. Nachts
frischt der Wind leicht aus Nordost auf und mit raumen Wind haben wir
einen leichten Kurs und machen gute Fahrt.
Samstag, 13.11.2004
Wir laufen zirka um 11 Uhr vor Brava ein. Unser Zielort
ist die Bucht von Porto da Forma, ein abgestürzter Vulkankrater,
dem man seine geologische Herkunft noch gut ansieht.
Wir können Neverland mit dem Dingi verlassen, müssen aber,
kaum zum ersten Drink in einer kleinen Privatbar angekommen, das Boot
verlegen, weil ein Frachtschiff in die Bucht will, der offenbar keinen
Rückwärtsgang hat und daher nur bedingt manövierfähig
ist und einen großen Bogen fahren muß, wobei wir im Wege
sind.
Von Beginn unserer Anwesenheit an stehen wir im Mittelpunkt des allgemeinen
Interesses, insbesondere der Kinder. Ein Lasttaxe – Aluguer – bietet
uns eine Inselrundfahrt zum Festpreis an. Tatsächlich hat Brava
nur 2 größere Straßenverbindungen, die erste von Porta
da Forna zum höher gelegenen Sintra Nova und von dort zur Bucht
von Faija. Sintra Nova liegt deutlich höher und oftmals im Nebel,
was der offenbar prosperierenden Ortschaft eine angenehme Kühle
und auch deutlich reichere Vegetation beschert.

Die Ankerbucht im Krater Porta da Forna auf Brava

Sintra Nova auf Brava im Nebel
Sintra Nova ist deshalb nach dem portugiesischen Sintra benannt, das
betuchteren Bürgern von Lissabon an Wochenenden oder in den Ferien
ein Verweilen in ähnlich klimatischen Bedingungen erlaubte. Wir
erleben dort zufällig in der kleinen Dorfkirche eine Probe des Kinderchores,
ein vitaler, heiterer Gesang, der uns große Freude macht.
Die Fahrt mit dem Aluguer dann bietet grandiose Ausblicke. Die Insel
erhebt sich schroff aus dem Meer und gibt ihren wilden vulkanischen Entstehungsprozess
zu erkennen. Dank der Regenfälle der letzten Tage überzieht
ein Grünschleier die ansonsten vegetationsarmen Felsen. Tiefe Schluchten
sind von der kopfsteingepflasterten Straße an jeder Ecke einsehbar.
Das grandiose Meerespanorama zeigt uns die kleinen unbewohnten vorgelagerten
Inseln in der Brandung.

An der Westküste von Brava, grandiose Buchten

Ausblick aufs Meer von Bravas Nordküste
aus
Die gepflasterte Straße hat durch den Regen der letzten Tage erhebliche
Schäden bekommen. Felsen sind abgerutscht und viele Steinbrocken
liegen auf dem Weg oder sind nur teilweise weggeräumt. Der Fahrer
unseres Aluguer fährt kurvenreich um die Hindernisse herum und nur
zentimeterweise an dicken Felsbrocken vorbei.
Der Weg ist im Ortsausgang von Sintra von Hibiskusbäumen gesäumt,
die noch in voller Blüte stehen.
An der schönen Bucht von Faija vorbei endet die Straße vor
einem Flughafen, der mangels Touristenfrequenz dem Verfall preisgegeben
ist und ein nahezu unwirkliches Bild liefert. Hier findet sich aber auch
ein regelrechtes Felsenschwimmbad, das – vom frischen Seewasser
der überkommenden größeren Wellen gespeist – von
Kindern und Jugendlichen der Umgebung stark frequentiert wird. Wir schauen
dem Treiben zu und würden gerne hineinspringen, wenn nicht solches
einen beachtlichen Abstieg zum Meer hin erfordern würde. Als wir
noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Forna zurück kommen, erleben
wir einen der bewegenden Höhepunkte der Reise.
Die Kinder, die sich dort ohne jedes Spielzeug zu beschäftigen
wissen, froh miteinander spielen und praktisch keinen Streit zu haben
scheinen, werden auf unsere Kamera aufmerksam und bitten um Fotos. Das
kommt uns sehr gelegen, denn die hübschen Gesichter strahlen; jedes
Mädchen hat eine besonders niedliche Frisur und es gelingt uns so,
ein vorbehaltloses Glück nicht nur in uns, sondern auch fotografisch
aufzunehmen.

Junge Mädchen auf Brava

kleine Mädchen mit ihren niedlichen Frisuren
im Dorf von Forna

Auch die Jungs wollen aufs Foto

Strahlende Augen fürs Foto
Und sofort schauen sich die Kinder ihr Konterfei in der Bildfläche
der Digitalkamera an, juchzen vor Vergnügen und sind ganz aufgeregt.
Es ist schade, dass wir keine Polaroidkamera zur Verfügung haben,
um die Bilder zu verschenken. Dies wäre sicherlich ein großes
Vergnügen für die Kinder gewesen.
Auch beim Abendessen beobachten wir das ebenso heitere wie friedliche
Spiel der Kinder. Selbst Kleinstkinder, die kaum laufen können,
spielen auf der Straße mit. Die größeren Kinder und
Erwachsenen, die – sicherlich auch in Ermangelung von Beschäftigung – dort
sitzen, greifen ohne Hast und wie selbstverständlich ein, wenn Gefährdung
droht. Insgesamt beobachten wir einen natürlichen, freundlichen
Umgang mit den Kindern. Weder haben wir laute scharfe Worte noch gar
Aggression der Erwachsenen gegenüber den Kindern erlebt. Alles in
allem ein beglückendes Erlebnis, das Anlass auch zur Nachdenklichkeit
gegeben hat: Wie viel seltener ist das vorbehaltlose strahlende Kinderglück,
das in der deutschen Literatur gerne beschworen wird und doch unsere Überflussgesellschaft
so gar nicht prägt.
Sonntag, 14.11.2004
Wir laufen am Vormittag aus der Kraterbucht aus, dies unter Änderung
der Reispläne, weil ein Schaden am Motor eine Revision in Mindelo
erforderlich macht. Zwischenstation allerdings gegen Mittag in Fogo,
der Insel, die durch ihren noch zu besichtigenden Vulkankrater berühmt
ist. Hier ankern wir nur wenige Stunden zum Baden und zum Mittagessen.
Am Nachmittag segeln wir los und sind über Nacht unterwegs, um am
darauf folgenden Vormittag wieder in Mindelo einzulaufen.
Wir erleben in Mindelo noch 3 schöne Tage, durchqueren die Insel
mit dem Taxe, um in der Baia las Gatas zu schwimmen und zu schnorcheln.
Wir bekommen Kontakt zu Menschen, die dort leben, werden eingeladen und
bekommen so mehr Eindrücke von diesem doch so fremden Land.
Bei unseren Streifzügen durch die Stadt Mindelo lassen wir uns
natürlich auch den großen Fischmarkt nicht entgehen. Große
bis zu 2 m lange Thunfische werden angelandet, Mahi Mahis, Wahoos und
viele kleineren uns namentlich nicht geläufigen Seefische. Der Fischmarkt
bleibt eine bunte, lebendige Erinnerung.

Der Fischmarkt in Mindelo
Auch habe ich erfahren, dass man ein Land vom Segelboot aus anders kennen
lernt als der Normalurlauber. Der unprätentiöse Umgang der
Segler und der in ihrem Umfeld Tätigen ermöglicht uns Kontakte
zu Menschen, die – sei es weil sie nach Jahren in Europa in die
Heimat zurückgekehrt sind. Oder sei es, weil sie aus ihrem Leben
in Deutschland ausgestiegen sind -, auf den Kapverden leben und arbeiten.
Spürbar wird, dass man mit der Zunahme touristischen Interesses
für die Kapverden rechnet und hierfür gewissermaßen aufrüstet.
Der Bau einer Marina steht an, ebenso wie wir von Plänen erfahren,
eine Fischräucherei zu eröffnen.
So wird in den letzten Tagen unseres Urlaubs noch einmal deutlich, dass
die Kapverden zwischen Afrika und Europa flotieren. Wie die Menschen,
die afrikanische Farben und europäische Profile in sich vereinen,
versucht die junge Gesellschaft, in der das Internet eine große
Rolle spielt, den Anschluss an die Industrienationen zu erhalten, ohne
das eigene und alternative Lebensgefühl aufzugeben.
Ob dazu der Kreis zu quadrieren ist oder ob unter der Sonne des Südens
alles möglich ist, wird sich zeigen. Für uns heißt es – sehr
bereichert, erholt und dankbar – zurück in die alte Welt,
wo unser Leben sicher vor Anker liegt. Unvergesslich bleibt, die Weite,
das Licht und das strahlende Lachen der Kinder.

Faszinierend, die Weite und das Licht

Farbenspiel mit den Wolken

Sonnenuntergang vor Sao Vincente

strahlende Mädchenaugen



Hannover 20. 12. 2004
Uta Rüping
|