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Logbucheintragung vom 6. 6. 94 22.00 Uhr: Wir segeln mit 40 Grad am scheinbaren Wind bei 5 Beaufort aus West mit einer 2 bis 3 m hohen See. Das Gross ist einmal gerefft und mit der kleinen Kreuzfock haben wir etwa 55 m² Segelfläche stehen. Die Geschwindigkeit liegt bei 5 Knoten. Nicht gerade schnell für einen beinahe 15 m langen Katamaran. Aber dies ist nicht der Kurs, den unser Kat mag und ich glaube, dies teilt er mit fast allen Fahrtenkatamaranen. Wir erleben ungemütliches Segeln. Ständig kracht eine Welle unter das Brückendeck, so dass unsere Boot erzittert. Der Salontisch vibriert dann so stark, dass man Angst hat, die Welle bricht durch das Brückendeck. Alles auf dem Tisch fliegt einige mm hoch. Nach einer solchen Welle ist die Geschwindigkeit auf 3 bis 4 Knoten reduziert. Das Boot ist abgestoppt und der Bug hebt sich mehrfach bevor der Kat wieder in einer stabilen Längsrichtung liegt. Aber dann dauert es auch nicht lange, bis die nächste Welle da ist, und das Ganze von vorn beginnt. Ständig diese Auf- und Abbewegungen, das Krachen der Wellen gegen das Brückendeck, so dass Schiff und Mannschaft nicht zur Ruhe kommen. Mitternacht und Wachwechsel. Wir sind zu viert an Bord von Atlantis und gehen eine 2er Wache von jeweils 4 Stunden. Kurz nach Wachwechsel liege ich in meiner Steuerbord- Achterkabine mit Kissen und Decken eingekeilt um nicht dauernd hin- und hergeschleudert zu werden. Hier unten nehme ich jede Bewegung des Katamarans noch angespannter wahr. Die Geräusche empfinde ich noch stärker als in der Plicht oder am Kartentisch. Es ist nicht das beruhigende Gurgeln und Schlürfen an den Bordwänden wie ich es aus den geschützten Revieren kenne, sondern es sind gewaltige Schläge gegen das Brückendeck und das Krachen der Wellen lässen die Rümfe erzittern. Ich spüre im Liegen auch deutlich wie das Boot abbremst, sich mehrfach verneigt und kaum noch Fahrt macht. Und dies ist dann auch die Situation, in der die Liebe zum eigenen Boot schwindet und man sich ein besseren Schiff wünscht. Warum segeln wir nicht mit 8 Knoten so leicht durch die Wellen wie es uns die Hochglanzprospekte der Katamaranhersteller versprechen? Warum immer dieses elendige Stampfen, das Festboxen in der See und der erhebliche Geschwindikeitsverlust ganz zu schweigen von dem ständigen Krachen der Wellen gegen das Brückendeck? Dabei haben wir keine schlechten See- und Windbedingungen, können
den Kurs gut anliegen und sollten eigentlich 3 Knoten mehr machen. Ist
dies Katamaransegeln am Wind? Ist uns nicht jede schlanke Kielyacht von
15 m deutlich überlegen, wenn sie im Rhythmus der Wellen hoch am
Wind durchs Wasser schneidet? Müssen wir Katamaransegler dies so
einfach hinnehmen? Ich will diese am Wind Schwäche des Kats auf Dauer
so nicht mehr akzeptieren, entweder mein Kat segelt auch am Wind gut oder
es geht zurück zur Kielyacht. Es gibt doch genügend hervorragende
Kielyachten in der 15 m Klasse und preiswerter sind sie obendrein auch
noch. Logbucheintragung vom 8. 6. 94 22.00 Uhr Wir sind im Einflussbereich des Azorenhochs und segeln bei etwas bedecktem Himmel mit raumen Wind auf das Kap Finisterre zu. Es bläst kräftig und die Windmessanzeige geht über 30 Knoten wahren Wind. Das Gross ist jetzt ganz geborgen und wir haben die Genua auf 40 m² weggerollt. Die Genua zieht das Boot vor dem Wind. Die Selbststeueranlage arbeitet einwandfrei und es kommen keinerlei Bedenken auf, dass wir zuviel Segelfläche gesetzt haben und zu schnell sind. Unser Katamaran liegt ruhig in den Wellen und zieht mit 12 Knoten und mehr gen Süden und im Surf auf einer grossen Welle sind es bis an die 20 Knoten. Wir geniessen das Segeln, die Wärme des Südens und die uns zeitweise begleitenden Delphine. Der Kat ist nicht wieder zu erkennen verglichen mit zwei Tagen zuvor. Wir haben jetzt doppelt so starken Wind und die See ist 5 m hoch, aber wir geniessen die Fahrt und sind mit unserem Kat wieder versöhnt. Keine Kielyacht kann uns mehr verführen. Der Wind nimmt weiter zu und es wird Zeit die Genua noch weiter einzurollen - so auf 25 m² - später dann unter 20 m². Logbucheintragung vom 9. 6. 94 04.00 Uhr Die Nadel der Windmessanzeige geht auf über 40 Knoten wahren Wind. Eigentlich haben wir Sturm. Der Seegang hat deutlich zugenommen. Gischtstreifen legen sich über die See. Unserem Kat scheint das kaum zu stören. Stur fährt er seinen Kurs geradeaus, schaukelt zwar ein wenig mehr, es kommt aber kein bischen Wasser übert . Zur Sicherheit sitzt jetzt ständig jemand von uns am Steuerrad, aber wir müssen nicht eingreifen. Es kommt niemals das Gefühl der Unsicherheit auf. Der Kat ist in seinem Element. Als der Wind dann zeitweise auf 50 Knoten zunimmt und der Kat eine sehr hohe Welle mit 25 Knoten runtersurft und wir auch mit dem Bug etwas eintauchen, wird uns doch mulmig und wir reffen fast alles weg. Es stehen nur noch 10 m² Segel und die benötigen wir zum Steuern. Windstärke 8 in der Biskaya vielleicht auch Stärke 9, eine hohe See von etwa 6 Metern, doch dem Kat macht das wenig aus, seiner Crew allerdings schon mehr. Wir laufen ständig über 10 Knoten. Was für ein Unterschied wenn man an die Fahrt von vor 2 Tagen denkt als wir uns hoch am Wind im Seegang festgeboxt haben und meist unter 5 Knoten liefen. Wir sind jetzt wieder versöhnt und wollen nur noch Katsegeln. Wohl bis wir die nächste am Wind Knüppelei erleben werden. Aber muss man diese am Wind Schwäche eines Kats so einfach hinnehmen? Wie machen es die grossen Regattakats, die mit Etmalen von über 400 Meilen über die Weltmeere ziehen? Kann man von ihnen etwas lernen? Kann ein Kat nicht auch gute am Wind Segel- und Seeeigenschaften haben? Wie muss ein Kat gebaut sein, welche Eigenschaften muss er haben, damit er auch am Wind vernünftig segelt? Diese Fragen haben mich in den nächsten 4 Jahren stark beschäftigt.
Sie haben letztlich zum Bau des neuen Katamarans NEVERLAND geführt.
Bei der Plaung von Neverland sind die Erfahrungen mit dem Katamaran Atlantis
eingegangen. Nach 8 Jahren Katsegeln hatte ich eine klare Vorstellung,
welche Eigenschaften mein neuer Geholfen bei diesen Fragen haben mir die Gespräche mit Fritzt Dubois von der Yachtwerft Dubois in Groningen, die in den letzten 20 Jahren über 30 Katamarane gebaut hat und die eigenen Katerfahrungen von Herrn Dubois selber mit seinem schnellen Katamaran "Twintig Plus". Nach 20 000 Seemeilen in Nord- und Ostsee, Atlantik und Mittelmeer mit meinem 15 m Kat Atlantis, einem verlängerten 13,70 Simpson Design, fasse ich meine positiven und negativen Erfahrungen wie folgt zusammen.
Wie sieht der Kompromiss aus?Diese Abwägung der Vor- und Nachteile gilt wohl für die meisten heutigen Serienfahrtenkatamane. Der Wunsch nach Komfort und Kojen ist zu gross. Eine kompakte Bauweise, wo viel untergebracht werden muss und schwere Materialien ergeben einen Katamaran, der leider nicht mehr die vielen Vorzüge hat, die man von einem Kat erwartet und welche die Prospekte immer noch versprechen. Das traumhafte Segeln von über 10 Knoten ist nur raumschoots möglich, am Wind ist man einem gleichgrossen Kielboot deutlich unterlegen. Ich weiss, ein schnelles gut segelndes Schiff, das sämtlichen erdenkbaren Komfort bietet und auch noch preisgünstig zu bauen ist, gibt es nicht. Es muss immer ein Kompromis her. Doch welchen Kompromis? Dazu muss man zunächst die Prioritäten kennen. Was ist mir wirklich wichtig, was wäre schön wenn man es hätte und worauf kann ich getrost verzichten. Ich war mir meiner Prioritäten nach 8 Jahren Katsegeln ziemlich sicher. Ich wollte zu allererst einen gut segelnden Katamaran haben. Aber eine spartanische Rennziege sollte es auch nicht sein. Eine etwa 2 jährige Suchphase, einen Kat zu finden, der meine Anforderungen erfüllte, endete erfolglos. Deshalb beschloss ich den Kat meiner Vorstellungen als Einzelbau in Auftrag zu geben. Zuvor musste jedoch ein erfahrener Konstrukteur seine Hausarbeiten machen. Hierzu benötigte ich ein Pflichtenheft, das meine Anforderungen an den neuen Kat zusammenfasst.
Zu 1. Sehr gute Segeleigenschaften - mich interessierten in erster Linie die am Wind See- und Segeleigenschaften Für die Planung und den Bau folgt aus diesen
Anforderungen Zu 2. Wenig Tiefgang- maximal 75 cm Tiefgang Für die Planung und den Bau folgt daraus Zu 3. Ein angemessenes Raumangebot- ein Kat für 8 Personen Für Planung und Bau folgt daraus zu 4. Einhand zu segeln- mit kleiner Manschaft und in Ausnahmefällen auch einhand zu segeln daraus folgt für die Planung und den Bau Zu 5. auch bezahlbar sein- der Kat soll weniger kosten als ein gleichgrosser Serienkatamaran um diese Zielsetzung zu erreichen, muss man auf
einiges verzichten. Für die Planung und den Bau galt für uns Zusätzlich gab es noch die folgenden Anforderungen- der Kat sollte für Langfahrten autark sein Wichtig war die Erkenntnis, dass wir von dem üblichen Katamaran-Konzept mit einer Brückendeckskajüte abweichen mussten, wenn wir die Ziele verwirklichen wollten. Mit der herkömmlichen Brückendeckskajüte waren die Anforderungen nicht zu erfüllen.Erste Überlegungen mit einer Sitzkajüte zwischen den Rümpfen wie es die Regattakats haben, wurden schnell verworfen, weil sie nicht an die Anforderungen nach einem angemessenen Raumangebot in mehreren Kajüten herankam. Die Lösung war, den Katamaran mit 2 Kajüten zu bauen und den Platz dazwischen frei zu lassen. Dies hat eine Reihe von Vorteilen aber auch einige Nachteile Die Vorteile sind- weniger Wasser- und Windwiderstand Und die Nachteile- der Abstand zwischen den Kajüten und die Aufteilung
der Kajüten bedingen, dass der Kat annähernd 10 m breit wird.
Der Vergleich in der Skizze macht deutlich, dass der obere Kat einen deutlich geringeren Wasser- und Luftwiderstand haben wird als ein herkömmlicher Katamaran. Wasser und Luft können unter dem Brückendeck besser abfliessen und der Wellenschlag unter dem Brückendeck wird deutlich geringer sein. Vor allem die Segeleigenschaften am Wind werden deutlich besser sein als bei einem herkömmlichen Katamaran. Und das war ja auch die Zielsetzung. In den folgenden Monaten habe ich viele Entwürde in 1:40 gezeichnet
und diverse Berechnungen angestellt, bis ich eines Tages meinte, das jetzt
mein Wissen und meine Erfahrungen erschöpft seien und ich einen erfahrenden
Konstrukteur suchen sollte, der meine Ideen und Entwürfe in baureife
Pläne umsetzen konnte, verbunden mit vielen Verbesserungen aus seiner
langjährigen Praxis. Ich führte Gespräche mit Konstruktueren
aus Frankreich und England und entschied mich leztendlich für Phil
Morrison, weil Die folgende intensive Planungsphase mit dem Konstrukteur Phil Morrison
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